Wanderfreunde Eddelak und Umgebung e.V.

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Wanderverband Norddeutschland e.V.

 

Hamburg schönster Kleingarten an der Bille

einschl. Besuch der Wasserkunst in Kaltehofe

 

Am Donnerstag, den 20.10.2016 lud uns unser Wanderführer Dieter Kohn zu einer Wanderung von ca. 12 km zu Hamburgs schönsten Kleingärten an der Bille und zur Wasserkunst in Kaltehofe ein. Wir starteten in Sankt Michaelisdonn über Burg und Itzehoe mit 20 Wanderfreunden in Richtung Hamburg-Altona. Dort nahmen wir die S31 in Richtung Hamburg-Hbf und die S21, die uns zu dann unserem Zielbahnhof Rothenburgsort brachte. Hier begannen wir nun unsere Wanderung zur Wasserkunst auf die Elbinsel Kaltehofe. Wir betraten als erstes das Gebäude des Kultur- und Naturmuseums Kaltehofe, um hier im Cafe unsere Mittagseinkehr abzuhalten. Danach folgte eine Begehung des Museums, in der eine Museumsführerin uns über die Entstehung der Hamburger Wasserkunst erzählte. Warum und wie kam es im Jahre 1848 zum Bau dieser Stadtwasserkunst in Rothenburgsort. Hier nun einige Auszüge aus einer Abhandlung aus dem Internet:

Als im Jahr 1848 die Stadtwasserkunst in Rothenburgsort in Betrieb genommen wurde, gelangte das Elbwasser ungefiltert in die Hamburger Haushalte. Man war der Meinung, dass 3 km oberhalb der Stadt das Wasser sauber genug sei und begnügte sich mit einer Anlage von Teichen, in denen sich die groben Schmutzteilchen absetzen konnten.

Da sich die Ablagerungszeit des Wassers durch erhöhten Wasserverbrauch verkürzte, forderte der Erbauer der Anlagen in Rothenburgsort, W. Lindley, 1853 erstmals Filteranlagen, um das Elbwasser weitgehend von Keimen befreien zu können. Durch Streitereien, ob Filteranlagen überhaupt nötig seien, verzögerte sich der Bau um Jahrzehnte. Inzwischen war die Ablagerung durch den ständig steigenden Wasserverbrauch fast unwirksam geworden, so dass es sich vom Elbwasser kaum noch unterschied. Hinzu kam, dass in den Wasserleitungen, wo die Strömung langsamer war, die Rohrwände mit Muscheln bedeckt waren, zwischen denen eine große Zahl von Würmern lebte. 1876 traten zudem massenhaft Aale in den Leitungen auf. Die Unzufriedenheit der Hamburger Bevölkerung mit der Wasserversorgung wurde durch spöttische Reime zum Ausdruck gebracht:

     "Vom Tier im Hamburger Wasserrohr
    Da kommen 16 Arten vor:
    Ein Neunauge', Stichling und ein Aal
    Drei Würmer leben in dem Strahl
    Drei Muscheln und drei träge Schnecken
    Sich mit der muntern Assel necken
    Ein Schwamm, ein Moostier, ein Polyp,
    Die dringen lustig durch das Sieb.
    An toten Tieren kommen raus
    Der Hund, die Katze und die Maus;
    Noch nicht gefunden sind, Malheur,
    Der Architekt und Ingenieur!"

Erst im Juli 1890 entschieden Senat und Bürgerschaft den Bau des Filterwerks.

Der Bau von 4 großen hochliegenden Ablagerungsbehältern auf der Billwerder Insel und 22 Sandfiltern auf Kaltehofe konnte endlich zur Durchführung gebracht werden. Mit der Fertigstellung wurde 1894 gerechnet.

Während des Baus des Filterwerks brach im Sommer 1892 die schwere Cholera-Epidemie in Hamburg aus. Es wurde einwandfrei nachgewiesen, dass die Seuche durch das unfiltrierte Wasser in der Stadt verbreitet wurde. Durch zügiges Weiterbauen, das durch die Seuche erheblich erschwert wurde, konnte das Werk am 27. Mai 1893, also ein Jahr früher als geplant, mit der Lieferung von filtriertem Elbwasser beginnen.

Bald erkannte man die Nachteile dieses Elbwasserwerkes: Im Winter hatte das Wasser eine Temperatur nahe der Null-Grad-Grenze, so dass es in den Haushalten ständig lief, damit es nicht einfror. Im Sommer war es muffig und hatte eine Temperatur von 20 Grad. Außerdem gab es im Winter immer wieder Probleme mit der Vereisung der Wasserschöpfstellen an der Elbe, was die ohnehin schon komplizierte Reinigung beträchtlich erschwerte. Daher setzten um die Jahrhundertwende die ersten Bemühungen ein, das Elbwasser durch Grundwasser zu ersetzen, um das Werk Kaltehofe schließen zu können. Die beiden Weltkriege und die Zunahme des Wasserverbrauchs machten einen Strich durch diese Rechnung.

Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung im Osten und im Westen verschlechterte sich die Elbwasserqualität in den 50er Jahren auf drastische Weise. Um eine Verbesserung zu erreichen, wurde im Werk Kaltehofe eine Aktivkohlefilteranlage eingebaut. Eine weiterer Schritt war die langfristige Umstellung von Elbwasser auf Grundwasser. Dafür wurden auf der Billwerder Insel und im Raum Moorfleet 50 Flachbrunnen gebaut, die aus 25 m Tiefe das Grundwasser aus dem Urstromtal der Elbe förderten. Seit 1964 lieferte das Werk Kaltehofe nur noch Grundwasser. Die Änderungen auf dem Werksgelände waren für diese Umstellung sehr gering. Der Aufwand für den laufenden Betrieb im Vergleich zu anderen Grundwasserwerken war jedoch enorm, da die Filter mindestens einmal im Jahr gereinigt werden mussten, was eine manuelle Abtragung der 22 Becken erforderlich machte. Deshalb mussten die Loren und Gleisanlagen für die Filterreinigung in Betrieb bleiben.

Ab 1983 wurde die Förderung der Wassermenge langsam zurückgefahren und zum Jahreswechsel 1989/90 endgültig stillgelegt.

 

Nach dieser ausführlichen Information hatten wir Gelegenheit, uns die   aus verschiedenen Wasserbecken mit entsprechenden Absperrschiebern bestehende Anlage, durch einen Rundgang aus der Nähe anzusehen. Aus der Luft betrachtet, sieht die gesamte Anlage wie ein Schachbrett aus. Es befindet sich auf dem Gelände auch ein Mahnmal für ca. 200 bis 500 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die an der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung während des 2. Weltkrieges hier tätig waren.

 

Wir verließen danach die Anlage der Wasserkunst und wanderten in Richtung Rothenburgsort, von wo wir mit einem Bus zur Kleingartenkolonie Billwerder fuhren. Hier erwanderten wir Hamburgs schönsten Kleingarten, der an der Bille entlangführt. Auch hatten hier die Vereine Motorsportclub, Angelverein und die Kleingärtner mit zum Teil villenähnlichen Gartenhäusern ihr Domizil. Wir setzten uns danach in die S-Bahn S1, die uns, ohne umsteigen zu müssen, nach Altona beförderte. Rechtzeitig zur planmäßigen Abfahrt um 17.40 Uhr erreichten wir den Bahnhof. Leider fuhr die NOB aufgrund technischer Probleme erst ca. 1 Stunde als geplant um 18.40 Uhr ab. Ankunft Heimatort um 20.30 Uhr.