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Freilichtmuseum "Rieck-Haus"

 

"Ins Fettnäpfchen treten", "Etwas auf die hohe Kante legen" - Diese Sprichwörter haben ihren Ursprung im Bäuerlichen. Ein Gutshof in Curslack zeigt dem Besucher, wie sie entstanden sind.

Säcke vor der Tür ! (Christel Eggers - Museumsoriginal Rieck-Haus, Curslack)

"Vorsicht, nicht ins Fettnäpfchen treten!" Mit diesen Worten begrüßt Christel Eggers den Besucher, der den Hauptraum des 300 Jahre alten Bauernhauses am Curslacker Deich betritt. Aus den Lebensumständen auf Bauernhöfen wie dem Rieck-Haus, einer in den Vierlanden gelegenen Außenstelle des Altonaer Museums, sind viele Sprichwörter erwachsen, die unseren Sprachgebrauch bis heute prägen. Christel Eggers, die ? Jahre alte Tochter des letzten Rieck-Bauern, erklärt deren Ursprünge.

Unter der Decke des Haupthauses, "Flat" genannt, hängen Dutzende von Würsten. Der von der offenen Feuerstelle in der Mitte des Raumes ausgehende Rauch konservierte sie. "Früher wurde um das Feuer herum ein Teppich aus Reetgras gelegt. Darauf standen Töpfe, die das heruntertropfende Wurstfett auffingen", erläutert die zierliche Frau in der Vierländer Sonntagstracht. Mittlerweile sind die echten Würste indes durch fettfreie Attrappen ersetzt worden.

Wenn sich das Auge an die Dunkelheit in dem alten Gemäuer gewöhnt hat, sieht man den riesigen Topf über der Feuerstelle, die Mistgabeln und Gaffeln, die überall im Raum stehen. Zwei Alkoven, in denen einst die Knechte schliefen, begrenzen den Raum. Von der Decke hängende Leinensäcke markieren die Grenze zur so genannten Diele, dem Kuhstall. "Die Redensart, "Ihr habt wohl Säcke vor den Türen", mit der man Leute bedenkt, die die Tür nicht schließen, stammt daher", erklärt Christel Eggers. Im Rieck-Haus profitierten die Knechte früher von der Wärme der Tiere. Heutzutage sind die Ställe leer. "Ein Versuch, wieder Kühe einzustellen, scheiterte daran, dass die EG-Kühe viel größer und dicker sind als ihre Vorfahren und die Stallung sprengten, erklärt Torkild Hinrichsen, der stellvertretende Direktor des Altonaer Museums. Am anderen Ende des Hofes liegt die Wohnung der Bauernfamilie. Der Besucher betritt sie durch die keine Küche, in der der zahnlose Vater des Bauern und seine Mutter sich Brei und Suppe zubereiteten. Über eine Schwelle tritt man in das "Altenteil", "de lütt Döns". Dort schliefen die alten Bauern in der Wärme eines von der Küche aus gefeuerten Ofens in Alkoven. Die mit biblischen Darstellungen bemalten Fliesen aus Delft zeugen von ihrem Wohlstand.

Im nächsten Raum befindet sich die Speisekammer. "Das Maß ist voll", sagt Christel Eggers und deutet auf einen alten Scheffel - den Ursprung des Sprichwortes. Mit diesem Hohlmaß wurden Getreidemengen bestimmt, indem der Bauer es füllte und den Überschuss mit der Hand abstrich. Butterfässer, Schlachtermollen zum Mettwurst-Kneten und eine Zentrifuge, die Milch und Rahm trennt, ziehen die Aufmerksamkeit des Gastes auf sich, bevor er in "de groot Döns", die Wohnstube des Bauern kommt. Eine riesige Hochzeitstruhe steht an der Tür. Christel Eggers klappt sie auf. Auf dem Truhenboden liegt Bett- und Tischwäsche, und auf einer Scharnierhöhe angebrachten Kante blitzen Silbertaler. "Daher kommt das Sprichwort "Etwas auf die hohe Kante legen", sagt die Bauerntochter. Von den Schubladen an der Innenseite der Truhe leitet sich die Redensart "Etwas auf die Seite legen" ab. Die Wohnstube wird durch einen riesigen Tisch beherrscht, dessen Beine in eine Kugel mündet, um sich danach wieder zu verjüngen. "Das hat man gemacht, damit die Mäuse nicht auf den Tisch kamen, erklärt Frau Eggers. Überhaupt sei der Bauer sehr wählerisch gewesen, wen er an seinem Tisch sitzen ließ. Ungebetene Gäste kamen auf die Hühnerbank, in der die Stubenküken ausgebrütet wurden. "Die war so hoch, dass man mit den Beinen nicht auf die Erde kam und nach kurzer Zeit wieder ging", sagt die Vierländerin. "Deshalb sagt man: "Da krieg' ich kein Bein auf die Erde." Ob die Bauernfamilie die an die Holzdecke gemalten Symbole der vier Jahreszeiten abends sehen konnten, ist ungewiss. "Zur Beleuchtung hatte man damals nur eine Tranfunzel, und die war nicht besonders helle, erzählt Christel Eggers. Das Wort "Tranfunzel" erfreut sich immer noch großer Beliebtheit als Schimpfwort für dumme Zeitgenossen. Spendete sie auch wenig Licht, so hatte die Tranfunzel dennoch einen Vorteil: Man konnte sie in der Höhe verstellen, indem man ihren an einer sägenartigen Halterung angebrachten Bügel einen Zahn höher hing. So ist das kleine Licht gleichzeitig die Wurzel des Sprichwortes "Leg mal einen Zahn zu".

Vier- und Marschlanden